Interview mit Ringo Bischoff, Bundesjugendsekretär von ver.di zur Aktion gegen den Landtagswahlkampf der NPD in Dresden
06.08.2009 12:58
Frage:
Ringo, ihr wart gerade mit einer Gruppe Aktiver in Dresden unterwegs
und habt die Wahlplakate der NPD „begutachtet“. Was war da los?
Antwort Ringo:
Zunächst mal – aktiv zu sein gegen Rechtsextremismus, Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit ist fester Bestandteil der Arbeit von ver.di
Jugend. Wo immer die Neonazis sich zeigen sind wir da – und halten
dagegen. Ganz konkret sind in Sachsen Ende August Landtagswahlen und
die NPD geht mit viel Wahl-Werbung ins Rennen. Bei der letzten
Landtagswahl haben sie in Sachsen 9,2 Prozent der Stimmen bekommen. Bei
den Kommunalwahlen vor einigen Wochen haben sie in Gera, Eisenach und
Weimar Sitze in den Stadtparlamenten erhalten und konnten bei den
Gemeinderatswahlen insgesamt mehr als 60 Mandate erobern. Das sind
alarmierende Zahlen. Wir als ver.di Jugend wollen jetzt zeigen, was wir
von den rechten Parteien halten. Wir wollen deutlich machen, dass sich
unter dem Deckmantel einer vermeintlich demokratischen Partei
Verbrecher verstecken. Die NPD versucht, die sozialen Probleme der
Menschen aufzugreifen und für ihre antisemitische und nationalistische
Propaganda zu nutzen. Das lassen wir nicht zu!
Frage: Und warum diese Art des Protestes – warum die „Verfremdung“ der Wahlplakate?
Antwort Ringo:
Die Aktion gegen die Nazis ist Teil unserer aktuellen Kampagne „Was
soll Politik?“. Wir sind damit in diesem so genannten „Super-Wahljahr“
gestartet, um zu zeigen, was die Jugend hier im Land von der aktuellen
Politik und ihren Macherinnen und Machern hält. Ein wichtiger Teil
davon sind unsere Ad-Busting Aktionen.
Frage: Ad-Busting?
Antwort Ringo:
Ja genau, das ist der Begriff. Er meint das temporäre Verfremden von
Wahlplakaten und ich sage bewusst „verfremden“, nicht zerstören. Die
gesamte Kampagne „Was soll Politik?“ ist gedacht als öffentliche
Plattform, eine zeitgemäße Form zu zeigen, was wir – und alle anderen -
von der aktuellen Politik in diesem Land halten. Und speziell die
Jungen zeigen ihren Unmut eben damit, dass sie die Wahlplakate der
Parteien verfremden. Das ist ja auch eine altbewährte Art – das
Verändern von Plakaten gibt es ja schon lange, das wird in jedem
Wahlkampf gemacht.
Frage: Also geht es nicht nur gegen die NPD?
Antwort Ringo:
Nein, die Aktion in Dresden ist sozusagen der Auftakt für die
Landtagswahlen. Zur Europawahl ist ja bereits eine Menge passiert –
einen Teil der Ergebnisse kann man sich auf der Kampagnenwebsite
ansehen. Und richtig los geht es dann im Wahlkampf zur Bundestagswahl –
es wird ja nicht mehr lange dauern, bis die ersten Plakate hängen. „Was
soll Politik?“ ist ja keine Kampagne gegen eine bestimmte Partei.
Unsere Aktionen sind als symbolische Angriffe auf die Parteien und die
herrschende Politik im allgemeinen zu verstehen. Ein Großteil der
Menschen, nicht nur die Jugend, fühlt sich überhaupt nicht mehr
vertreten. Die Leute haben das Gefühl, was hier passiert geht völlig an
ihren Bedürfnissen und Vorstellungen vorbei. Und genau das soll mit den
Aktionen im Rahmen unserer Kampagne zum Ausdruck gebracht werden.

